Die Benefizveranstaltung „Krankheit als Schangse“ zugunsten des Palliativzentrums der Stiftung Juliusspital und des Klinikums Würzburg Mitte wurde zu einem eindrucksvollen und berührenden Abend. Bereits zum sechsten Mal setzte die Reihe „Lyrik und Musik“ ihre poetische Spurensuche fort – diesmal mit einem intensiven Blick auf das Lebenswerk von Robert Gernhardt.
Zu Beginn des Abends begrüßte der Direktor der Domschule, Herr Dr. Dvorak, die Gäste und würdigte in seiner Einführung besonders das gelungene Zusammenwirken aller Beteiligten. Dabei wurde deutlich, dass der literarisch-musikalische Streifzug nicht nur durch seinen hohen künstlerischen Anspruch bereits in der Vorbereitung überzeugte, sondern zugleich auf einer vertrauensvollen und unkomplizierten Zusammenarbeit beruhte.
Dr. Rainer Schäfer trug die Texte Gernhardts mit exzellenter sprachlicher Präzision und großer Sensibilität vor. Seine Interpretation ließ die feine Ironie und den Wortwitz des Autors ebenso lebendig werden wie die tieferen, oft schmerzhaften Ebenen der Gedichte. Gerade darin lag eine besondere Stärke des Abends: An vielen Stellen blieb ein Lächeln auf den Gesichtern der Zuhörenden – selbst dann, wenn der Inhalt der Texte eher zum Weinen war. Die humorvolle, manchmal fast spielerische Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Krankheit und Angst wurde so zu einem bewegenden Ausdruck menschlicher Widerstandskraft.
Der Titel des Abends „Krankheit als Schangse“ war dabei bewusst gewählt und keineswegs ein Schreibfehler. Vielmehr verweist er auf das typische Wortspiel, das Robert Gernhardt selbst kultivierte – eine poetische Verschiebung der Perspektive, die den Blick auf Krankheit und Leben zugleich ernsthaft und humorvoll erweitert.
Die musikalische Begleitung durch Meisterklassen-Saxophonist Darius M. Hummel und Jannis Krüger am Flügel griff die Resonanz der Texte auf beeindruckende Weise auf. Die beiden Profimusiker schufen mit großer Sensibilität klangliche Räume, die den Zuhörenden eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Gedichten ermöglichten. Eigene Kompositionen sowie eine kleine textliche „Hörhilfe“, die eine Brücke zwischen Musik und Text schlagen sollte, zeugten von intensiver und professioneller Vorbereitung der Künstler.
Die Verbindung von Sprache und Musik erreichte an diesem Abend nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen vieler Anwesender. Immer wieder war spürbar, wie stark die Texte und Klänge nachwirkten. Es fiel dem Publikum sichtbar schwer, sich mit Zwischenapplaus zurückzuhalten – umso größer war der gemeinsame Moment am Ende: Spontane Standing Ovation ließen niemanden mehr auf seinem Stuhl sitzen.
Auf die begeisterte Resonanz des Publikums folgte schließlich noch eine lyrische und musikalische Zugabe, die von den Zuhörenden dankbar und mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen wurde und den Abend auf besonders stimmige Weise abrundete.
Ein starkes Zeichen der Solidarität setzte auch die großzügige Spende des Abends für das Palliativzentrum in Höhe von 1038 Euro. Allen Spenderinnen und Spendern gilt hierfür ein herzliches Dankeschön. Ein besonderer Dank gilt zudem Herrn Dr. Schäfer, der sich mit großem persönlichem Engagement bereit erklärt hatte, in seiner Freizeit aus der Fülle der Werke von Robert Gernhardt eine sorgfältig ausgewählte literarische Zusammenstellung zu erarbeiten, um damit maßgeblich zum Gelingen des Abends beizutragen.
Zugleich war dieser Abend in gewisser Weise auch ein besonderer Abschied: Es war für Herrn Dr. Rainer Dvorak die letzte Veranstaltung dieser Art. Im Herbst wird er in den Ruhestand gehen und kündigte bereits mit einem Augenzwinkern an, künftig gerne als Zuhörer dabei zu sein.
Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie Literatur, Musik und gemeinsames Engagement zusammenwirken können – berührend, nachdenklich und zugleich hoffnungsvoll.
Text und Fotos: Birgit Müller-Kolbert, Leiterin der Palliativakademie